Was unsere Abendmahlsgeräte erzählen

In der Woche vor Ostern, der Karwoche, erinnert der Gründonnerstag an das letzte Essen, das Jesus vor seiner Verhaftung und Hinrichtung mit seinen Jüngern eingenommen hat. Jesus feierte wie alle Juden das jährliche Pessachfest, das der Befreiung des jüdischen Volkes aus der Sklaverei in Ägypten gedenkt. Das Fest beginnen Juden auch heute noch mit dem Sederabend: 

Die Geschichte des „Auszugs aus Ägypten“ wird gelesen, die Kinder sollen viele Fragen dazu stellen, damit sie die Bedeutung immer besser verstehen und es kommen ganz bestimmte Speisen auf den Tisch, die eine besondere Bedeutung haben. Zum Beispiel weisen herbe Kräuter auf das bittere Leben als Sklaven hin, vier Gläser Wein auf die vier Versprechen, die Gott seinem Volk zum Auszug gab und das ungesäuerte Brot (Mazzen) auf die Eile, die geboten war. 

Das Sedermahl ist das Ausgangsereignis, auf das unser Abendmahl zurück geht. Jesus und seine Freunde folgten mit Sicherheit dem vorgegebenen Ablauf (Seder heißt „Ordnung“), auch wenn mit den überlieferten „Einsetzungsworten des Abendmahls“ Jesus auf seinen eigenen bevorstehenden Leidensweg und seine damit verbundene Aufgabe hinweist.  Zum Brot sagt er: „Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“  Zum Wein heißt es: „Nehmt hin und trinkt alle daraus, dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“  

Die zwei Abendmahlskelche, die bei uns normalerweise benutzt werden, tragen auf ihrem Fuß diesen Satz und in den sechseckigen Verzierungen (Nodus) am Stiel einmal die Buchstaben JESUS und am anderen Kelch  A + O.

Zum Abendmahl wird außerdem noch eine Kanne für den Wein gebraucht, die als eingraviertes Bild den Weinstock trägt, der mit dem Kreuz verbunden ist. Der Boden der Kanne enthält die Inschrift „Der Kirche zu Köppern A D 1955“ zusammen mit einer Zinnmarke, dem Kennzeichen des Zinngießers.

Außer dem Teller für die Hostien (Patene) gibt es die Hostiendose, auf der steht: „So oft ihr dieses Brot esst, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis dass er kommt.“

Auf der Dosenunterseite gibt es den Hinweis auf die Entstehung der Zinngeräte: „Mit Hilfe alter Geräte der Kirche zu Köppern aus dem Jahr 1741 neu gearbeitet und gestiftet von der ev. Frauenhilfe anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens Anno Domini 1955“.

Heute würde man 200 Jahre altes Zinngeschirr vielleicht nicht „modernisieren“, aber eine der noch vorhandenen Kannen könnte vielleicht aus dieser Zeit um 1740 stammen, auch wenn sie keine Datierung trägt. Dafür enthält sie auf der Innenseite des Deckels drei gleiche Zinnmarken mit einem gefiederten Wesen und kann eine Vorstellung vom früheren Aussehen geben.

Eine weitere Kanne stammt aus dem Jahr 1694, wie die Gravur zusammen mit einigen undeutbaren Buchstaben auf dem Deckel ausweist.

Das Prunkstück der Köpperner Abendmahlsgeräte ist ein vergoldeter gotischer Kelch, der zuletzt bei der Jubiläums-ausstellung  „750 Jahre Köppern“ im Heimatmuseum zu sehen war. Auf der Unterseite seines blütenförmigen Fußes steht: „CONRAD LOREY + VICESCHULDHEIS + ZV + KEPPERN + CURAVIT + EXPOLIRI + ANNO 1592“

Fr. Dr. Dittrich, Friedrichsdorfer Stadthistorikerin, übersetzt das so: „Conrad Lorey Viceschultheiß zu Köppern sorgte sich um das Geglättet-Werden.“ 

Das heißt also, der Kelch ist älter (in der Ausstellung wird er ins 14. Jh. datiert) und wurde auf Kosten von Conrad Lorey wiederhergestellt. 

Interessant ist, dass bei der Gestaltung der modernen Zinnkelche ein stilistischer Rückgriff auf dieses Gefäß gemacht wurde. Schon hier stehen in den, allerdings rombenförmigen, Verzierungen am Stiel die Buchstaben JESUS. 

So sehen wir bei einem Gang durch etliche hundert Jahre anhand des Abendmahlsgeschirrs, wie auch in unserer Gemeinde vielen Generationen die Gemeinschaft im Abendmahl wichtig war.

Ulrike Langhals
Fotos und Text

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